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  • Kurtisane de Sade

Adams Apfel & Evas Rippe

Welches sind erotische Körperstellen? Kann man dies überhaupt pauschalisieren? - Ich löse es auf: Man kann nicht. Ich habe ein wenig recherchiert und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass in verschiedenen Kulturen verschiedene Stellen des menschlichen Körpers als besonders erotisch gelten.

In Japan gilt der Nacken vornehmlich als ästhetischste Körperstelle. Geikos und Maikos (in westlichen Ländern als Geishas bekannt) sind traditionelle Unterhaltungskünstlerinnen. Sie lassen, neben dem ansonsten weiß geschminkten Gesicht, Hals und Rückenansatz, den Nacken ungeschminkt. Die zwei schmalen Linien unbemalter Haut, die eine symbolhafte Darstellung der Schamlippen zeigen sollen, lenken den Fokus japanischer Männer auf diese als sehr erotisch empfundene Körperstelle.

Der Hals im Allgemeinen genießt in der Region zwischen Burma und Thailand besondere Aufmerksamkeit. Die weiblichen Padaung sind in den Medien als „Giraffenhals-Frauen“ bekannt geworden. Die Frauen tragen seit ihrem fünften Lebensjahr metallene Spiralen um den Hals, die den Hals lang erscheinen lassen. Für die Padaung gilt: je länger der Hals, desto schöner die Frau.

Gehen wir in den Westen Südamerikas. Dort gibt es keine Körperstelle, die als vornehmlich erotisch angesehen wird. Vielmehr sind Geschmeide und Zierrat gefragt. Eine Frau, die bestimmte ihrer Körperstellen im Besonderen betonen möchte, wird diese daher vor allem schmücken mit beispielsweise Ohrringen, Armreifen, Ketten.

In Brasilien gilt ein großer, wohlgeformter Po als Zeichen großer Erotik. Ethnologisch bzw. sexualpsychologisch lässt sich dies vielleicht sogar nachvollziehbar erklären: Die Rundungen der Frau an Brust und Po signalisierten dem Mann Gesundheit und Fruchtbarkeit - ein dicker Hintern als Garant für die erfolgreiche Fortpflanzung. Möglicherweise lässt sich die Faszination für die runde Rückseite jedoch auch auf die steinzeitliche Art des Liebe-Machens zurückführen. Die Begattung fand bevorzugt "a tergo" (von hinten) statt. Und die Retro-Stellung, bei der der Neandertaler nicht nur den Überblick auf die Umgebung, sondern auch den Blick auf den Hintern der Frau behielt, erfreut sich auch heute noch größter Beliebtheit, bedenkt man, wie viele Männer Doggy-Style oder zu deutsch „Hündchenstellung“ mögen.

Neben einem schönen runden Po gehört das Dekolleté in vielen, vor allem westlichen Kulturen zu den reizvollsten Körperstellen. Im Berufsleben wird ein tiefes Dekolleté manchmal zwar als unpassend empfunden, weil Frauen unterstellt wird, mit körperlichen Vorzügen anstatt Fachwissen punkten zu wollen, jedoch wird niemand abstreiten, dass ein schönes Dekolleté wohlwollende Blicke auf sich zieht.

In den Ländern des Orients, oder wer eine religiös-kulturelle Bezeichnung vermeiden möchte; in Ländern des Nahen und Mittleren Ostens tragen auch heute noch Frauen Schleider, Kopftücher und Burka. Schönheit wird somit nicht offensichtlich gezeigt, sondern verhüllt. Die Phantasie der Männer wird durch die Verschleierung sehr angeregt durch die schwarzen oder bunten Stoffe, die vollends den weiblichen Körper und seine Rundungen umschmiegen.

Mursi- oder der Surma-Frauen; Volksstämme im Südwesten Äthiopiens betonen mit sogenannten Lippenteller bzw. Tellerlippen ihre Mundregion. Am Ende der Pubertät wird den Mädchen die Lippe aufgeschnitten und ein Teil der unteren Schneidezähne entfernt, um die tongebrannten Scheiben einsetzen zu können. Die Teller werden regelmäßig ausgetauscht und zur Dehnung des Gewebes durch einen jeweils größeren ersetzt.

Schönheitsideale verändern sich natürlich auch im Laufe der Zeit. In China galten nahezu 1000 Jahre lang kleine Füße als Ideal höchster Schönheit. Die sogenannten „Lotus-Füße“ werden zurückgeführt auf eine Geschichte aus dem Jahr 975. Diese besagt, dass der Kaiser Li Yu seiner Geliebten, einer Tänzerin, eine als Lotosblüte geformte Bühne aus Gold schenkte. Um auf der winzigen Fläche der Bühne tanzen zu können, bandagierte sich die Tänzerin die Füße – angeblich der Beginn dieses grausamen Schönheitsideals. Das Binden der Füße wurde noch bis ins 20. Jahrhundert fortgeführt. Zwar wurde es 1911 durch die Republik China verboten, allerdings eher mit mäßigem Erfolg. Erst 1949, nach der Gründung der Volksrepublik China, gelang es Mao Zedong diesen Brauch endgültig zu unterbinden. Vor gut 22 Jahren schloss schließlich die letzte Fabrik, die Spezialschuhe für die Lotosfüße herstellte, ihre Pforten (Quelle: http://scienceblogs.de/). Heute stehen weiße Zähne vornehmlich für Gesundheit und natürlich eine gute Mundhygiene. Zur Heian-Zeit, einer Epoche in Japan (794 – 1185), galten unter Edelfrauen eingefärbte kohlenschwarze Zähne als Zeichen von Ästhetizität. In vielen Ländern mit Feudalsystemen galt – ganz im Gegensatz zu heute – eine blasse Haut als Zeichen von Rang und Würde. Gebräunt waren nur die Menschen, die unter der prallen Sonne auf dem Feld ihre Arbeit verrichten mussten. Edelleute, die innerhalb ihrer Anwesen, Höfe und Paläste Zeit verbringen konnten, besaßen einen blassen Teint. Die Modernde hält es anders: Nur, wer Freizeit hat, besitzt gebräunte Haut, die er sich im Sonnenstudio, am Strand oder im Urlaub müßig erarbeitet hat. Auch galt körperliche Fülle in vergangenen Zeiten als ein Zeichen von Wohlstand und somit Schönheit. Gehungert haben die armen Menschen. Dies ist ebenfalls heute anders: In Zeiten des Kapitalismus, in denen mehr Varietät und Quantität produziert wird als wir benötigen, gilt es als besonders schön, diesem Überfluss widerstehen zu können. Ein gesunder, schlanker Körper steht nicht in der Warteschlange von Burger King an, er joggt daran vorbei auf dem Weg zum türkischen Gemüseladen, um Obst und Joghurt zu kaufen.

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