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  • Kurtisane de Sade

Alte, dicke Typen...

... und am besten noch ungewaschen stinkig. - Mich wundert immer wieder in welchen Stereotypen Menschen denken, wenn sich meine Gesprächspartner mein Klientel vorzustellen versuchen. Mich dünkt diese Menschen scheinen dem Glauben erlegen zu sein, dass nur Hässliche, Alte, Loser, die sonst keine abbekommen, oder alles in Kombination für meine Gesellschaft zu zahlen bereit wären, denn die Hübschen, Jungen und Begehrenswerten haben es doch sicher nicht nötig?


Genauso eine wilde Annahme wäre, dass Glatzenträger nur deshalb keine Haare auf dem Kopf haben als Konsequenz eines Haarausfalls, als ob keine selbstbestimmte Lebensentscheidung dahinterstecken kann, deren Realisierung man mit einem Nassrasierer nachhilft. Das „Nötig haben“ ist keine Konsequenz des Aussehens oder Alters; die Entscheidungen Kund*in einer Sexdienstleisterin zu werden sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie treffen. Meine Klienten sind unterschiedlichster Couleur: Alt, schüchtern, groß, Deutsch, trainiert, kurzsichtig, wohlstandsbäuchig, jung, gebildet, Italiener, blond, dick, mittelprächtig, gemischt, schlank, und hundert weiteres. Und selbst wenn ein dicker, alter Mann meine Gesellschaft aufsuchst – hat er denn weniger Aufmerksamkeit und Zuneigung verdient?

Übrigens kommt diese klischeehafte Vorstellung manchmal sogar von Kund*innen selbst. Eine Argumentation lässt sich häufig schnell mit der Frage beantworten, ob sie sich selbst denn als dicke, alte und unhygienische Verlierer sehen würden – und da müssen sie einsehen, dass ihre Annahme wohl gänzlich irrig ist.


Meine Ausflüge in diese Welt der Erotik bieten ungleich mehr als schöne, wohlgeformte Menschen zu treffen. Ich treffe Individuen, die auch abseits der Erotik einen Austausch mitbringen, den ich sehr wertschätze. Ich hoffe diesbezüglich ein wenig zu einer Aufklärung und einem besseren Verständnis beigetragen zu haben.

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