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  • Kurtisane de Sade

Folien-Bondage – eine Art der Mumifizierung

Nicht nur Baumärkte sind Orte der Inspiration für BDSM'ler, auch die Haushaltswarenabteilung jedes noch so kleinen örtlichen Supermarkts hält Zweckentfremdbares zum Spielen und Quälen bereit. Eins davon möchte ich heute vorstellen: Die (Frischhalte-)Folie.

Frischhaltefolie wurde ursprünglich entwickelt, um Nahrungsmittel mit einem simplen Mittel von der Umgebungsluft abzuschließen, um auf diese Weise die Vermehrung von Bakterien zu minimieren, so dass sie länger haltbar bleiben. Sie ist auch wasserdicht, lässt aber die Umgebungstemperatur durch.

Folie kann in einer Session mit dem passiven Part verschiedene Zwecke erfüllen: Der/die Sub in Folie einwickeln sorgt für eine strenge Fixierung, gleichzeitig ist diese Art der Mumifizierung von für Folien-Fetischisten oder PVC-Liebhaber ein ganz besonders Gefühlsfest. Komplett foliert mitsamt dem Kopf, sorgt für einen zusätzlichen Effekt des Sinnesentzugs; die Folie dämmt den Ohren die Umgebungsgeräusche, zwei Streifen schwarzes Klebeband über die folierten Augen lassen den eingewickelten ganz und gar nichts mehr sehen. Dann ist das Erlebnis, vollkommen nackt von Klarsichtfolie eingehüllt und gefesselt zu sein, der eigentliche Zweck des ultimativen Folienspiels. Der oder die Sub beweist ein großes Maß an Vertrauen sich auf diese Weise zur Gänze auszuliefern.


Auch die Zeit nach dem eigentlichen Spiel kann noch erregend wirken: Wenn die Folie entfernt ist, wird der (möglicherweise) schwitzige Körper darunter wieder befreit. Geruchsliebhaber erleben dann ein wahres Fest der Sinne, besonders dann, wenn ein Teil des Spiels ist, dass sich der passive Part in seiner Folie einpinkelt und sprichwörtlich "im eigenen Saft schmort". Auch der dabei entstehende Effekt der höheren Empfindsamkeit der Geschlechtsteile ist Bestandteil von Folienspielen. Wenn der komplette Körper fixiert und von der Umgebung abgeschottet ist, so ist die Aufmerksamkeit auf die Zonen besonders erhöht, welche wieder freigelegt werden, beispielsweise die Brüste oder der Unterleib. Damit es nicht während des Folien-Bondage zu Stress-Situationen kommt, sollte der aktive Part sich für eine sehr gute Folie entscheiden, da der Umgang - abreißen, abrollen, aneinanderkleben - mit Folie nicht immer leicht ist, wie jeder weiß, der sie auch in der Küche benutzt.

Wenn der aktive Part den/die Sub in Frischhaltefolie einwickeln will, muss er einige Sicherheiten berücksichtigen: Eine abgerundete Notfallschere parat zu haben (in jedem Verbandskasten vorhanden) sollte allem anderen voran stehen, um den eingewickelten Part schnell herausschneiden zu können, falls er es in der Folie nicht mehr aushält. Man muss beachten, dass eingewickelt in Frischhaltefolie, der Körper sehr schnell zu schwitzen beginnt, da die Folie wie Latex wirkt und nicht luftdurchlässig ist. Wer den Körper des passiven Parts komplett mumifizieren möchte, der sollte überlegen wie sich dieser noch bemerkbar machen kann, denn ein Safeword lässt sich mit geschlossenem Mund ja nicht aussprechen. Möglichkeiten wären mit einer (Triller-)Pfeife für Sicherheit zu sorgen oder eine Hand des Mumifizierten freizulassen, in der er einen Gegenstand hält, der stellvertretend für "Alles in Ordnung" ist, wohingegen das Fallenlassen des Gegenstandes dem Aussprechen des Safewords gleichzusetzen ist. Auch muss bedacht werden, dass der passive Part sich in seiner hilflosen Lage nicht verletzt, wenn er im Stehen fixiert wird, das Gleichgewicht verliert und zu stürzen droht.

Für Folienspiele eignet sich ordinäre Haushaltsfolie. Diese ist recht gut für Teilwickelung und für die ersten Schritte, allerdings für dürfte es zu wenig sein, wenn man plant den gesamten Körper zu umwickeln. Im speziellen Handel bekommt man dicke Rollen Verpackungsfolien wie sie zur Paletten-Sicherung im Groß- und Einzelhandel verwendet werden. Mit diesen dicken Verpackungsrollen spiele ich besonders gern.

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